Dennoch haben sie eine Existenzberechtigung, weil sie Aufschluss über die mit dem erworbenen Optionsschein eingegangenen Risiken geben und bei der Auswahl des passenden Optionsscheins hinsichtlich der Erwartungshaltung für den Basiswert behilflich sind. Die statischen Kennzahlen können einfacher als die dynamischen nachgerechnet werden. Auf der Internetseite der Börse Stuttgart finden Anleger ausreichend Informationen zu statischen Kennzahlen wie beispielsweise Aufgeld oder Gewinnschwelle. Das Aufgeld bei einem Kaufoptionsschein gibt an, um wie viel Prozent der Erwerb des Basiswertes über den Optionsschein teurer ist als das Direktinvestment in den Basiswert.
Im Umkehrschluss sagt das Aufgeld bei einem Call also aus, um wie viel Prozent der Basiswert bis zum Laufzeitende des Optionsscheins mindestens im Wert steigen muss, damit aus Sicht des Anlegers keine Verluste anfallen. Beim Verkaufsoptionsschein besagt das Aufgeld, um wie viel der Erlös aus dem Verkauf des Basiswertes über den Optionsschein geringer ist, als der direkte Verkauf des Basiswertes über den Markt. Um Optionsscheine unterschiedlicher Laufzeiten miteinander vergleichbar zu machen, ist es ratsam, das prozentuale Aufgeld jeweils zu annualisieren, das heißt durch die Restlaufzeit in Jahren zu dividieren. Dadurch ergibt sich das jährliche Aufgeld. möglich, auch wenn diese Fälle selten sind.
Ein Optionsschein mit einem Abgeld wird unter seinem Inneren Wert gehandelt. Eine Ursache kann der Optionsscheintyp sein. So sind Abgelder nicht schwer bei Optionsscheinen mit europäischem Ausübungscharakter denkbar, bei denen eine Ausübung nur zum Laufzeitende möglich ist. gibt an, auf welchen Kurs der Basiswert bis zum Ende der Laufzeit eines Calls mindestens steigen muss, damit der Anleger mit dem Call keine Verluste erleidet. Beim Verkaufsoptionsschein ist die Aussage der Gewinnschwelle genau entgegengesetzt. Hier gibt die Gewinnschwelle an, auf welchen Kurs der Basiswertes bis zum Ende der Laufzeit des Puts mindestens sinken muss, damit dem Anleger mit dem Put keine Verluste entstehen. Die Berechnung von Optionsscheinpreisen ist eine mathematisch anspruchsvolle Aufgabe.
Formel zur Preisberechnung von Optionen mit europäischem Ausübungscharakter. Parallel zu Black und Scholes arbeitete auch Robert Merton an der Preisbestimmung von Optionen. erhielten Scholes und Merton dafür den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften, Fischer Black war zu diesem Zeitpunkt bereits verstorben. Da Optionsscheine verbriefte Optionen sind, lassen sich die Optionspreismodelle auch auf Optionsscheine übertragen. Formel ist über die Jahre modifiziert worden.
Ursprünglich für europäische Aktienoptionen entwickelt, lassen sich heute die Preise von Optionen und Optionsscheinen auf sämtliche Basiswerte durch die Optionspreismodelle berechnen. Wichtiger als die pure Kalkulation des Optionsscheinpreises ist das Verständnis wie sich die Optionsprämie verändert, wenn sich die Einflussgrößen ändern. Dabei wird zwischen statischen und dynamischen Kennahlen unterschieden. Nach der Erklärung des Optionsscheinpreises und seiner Einflussfaktoren, werden einige dieser Kennzahlen erläutert.
Der Optionsscheinpreis setzt sich aus zwei Teilen zusammen. Der Innere Wert wird vom aktuellen Kurs des zugrunde liegenden Basiswertes und dem Basispreis bestimmt. Bei einem Call besteht der Innere Wert aus der positiven Differenz zwischen aktuellem Kurs des Basiswertes minus Basispreis des Calls, bereinigt um das Bezugsverhältnis.
hat einen Basispreis von 100 Euro. Der aktuelle Kurs der Muster AG liegt bei 105 Euro. Ein Innerer Wert existiert also nur, wenn der aktuelle Kurs des zugrunde liegenden Basiswertes den Basispreis des Calls überschreitet. Bei einem Put sieht es dagegen genau umgekehrt aus. Der Innere Wert errechnet sich aus Basispreis minus aktuellem Kurs des Basiswertes, bereinigt um das Bezugsverhältnis. Er ist nur vorhanden, wenn der aktuelle Kurs des Basiswertes den Basispreis unterschreitet. hat einen Basispreis von 100 Euro.
Der aktuelle Kurs der Muster AG liegt bei 95 Euro. Der Innere Wert eines Optionsscheins kann positiv oder gleich Null sein, aber niemals negativ. Am Laufzeitende eines Optionsscheins besteht sein Wert lediglich aus dem Inneren Wert. Optionsscheinpreise notieren häufig über dem Inneren Wert. Die Differenz zwischen dem Preis des Optionsscheins und dem Inneren Wert ist der Zeitwert. Der Zeitwert ist ein Aufschlag zum Inneren Wert, der die Chance widerspiegelt, dass der Optionsschein am Laufzeitende einen positiven Wert aufweist. vom Basispreis, von der Laufzeit des Optionsscheins und von der Volatilität des Basiswertes ab. Je stärker der Basiswertkurs steigt, desto mehr legt der Call an Wert zu. Beim Put ist es umgekehrt. Je tiefer der Basiswert sinkt, desto stärker gewinnt der Put. weist darauf hin, dass dieser Optionsschein bereits einen Inneren Wert besitzt. Die Laufzeit eines Optionsscheins umfasst den Zeitraum bis zum Verfalltag. Danach erlischt das Optionsrecht und der Optionsschein verfällt. Je länger die Laufzeit des Optionsscheins, desto größer sind die Chancen des Optionsscheinkäufers, dass das Papier am Laufzeitende einen positiven Wert besitzt und umso teurer ist dann auch der Optionsschein. Daher ist der Zeitwertanteil an der Optionsprämie umso höher, je länger die Laufzeit des Scheins ist. Das gilt sowohl für Puts als auch für Calls. Mit näher rückendem Fälligkeitstag nimmt der Zeitwert ab und am Laufzeitende existiert keiner mehr. Der Optionsscheinpreis besteht dann nur noch aus Innerem Wert oder hat einen Wert von Null. Optionsscheine unterliegen also einem sogenannten Zeitwertverfall. Dieser Zeitwertabbau läuft dabei überproportional. Das heißt, je stärker sich die Restlaufzeit verkürzt, desto größer ist der Zeitwertverlust. Wie der Basiswertkurs hat auch die Volatilität einen großen Einfluss auf den Optionsscheinpreis. Die Volatilität ist ein Maß für die Schwankungsintensität eines Basiswertes. Denn je stärker eine Aktie schwankt, desto wahrscheinlicher wird es, dass der Optionsschein am Laufzeitende einen positiven Wert erreicht. Das liegt an der asymmetrischen Verteilung der Risiken bei Optionsscheinen: Das Verlustrisiko ist auf den gezahlten Optionsscheinpreis begrenzt, aber die Gewinnchancen sind unbegrenzt. Daher bedeuten große Kursschwankungen, dass der Anleger voll an einem positiven Ausschlag profitiert, aber von einem negativen weniger betroffen ist, da er nicht mehr als die Optionsscheinprämie verlieren kann. Somit wirkt sich eine hohe Volatilität positiv auf den Wert eines Calls und Puts aus. Wie schwankungsintensiv ein Basiswert in der Vergangenheit war, lässt sich problemlos berechnen. In den Wert eines Optionsscheins fließt aber die für die Zukunft erwartete Schwankungsintensität, die sogenannte implizite Volatilität ein. Diese hängt auch von der Erwartung des jeweiligen Emittenten ab, sodass es hier leichte Unterschiede zwischen den Anbietern geben kann.